"Besser wird´s nicht": Fendrich meldet sich zurück

Rainhard Fendrich hat ihn wieder: Den Schmäh.

Mit seinem zeitkritischen, humorvollen neuen Album geht er im Herbst auf große Tournee.

Ich wollte mal sehen, wohin die Liebe geht, wenn sie durch den Magen durch ist. Nämlich oft nicht dorthin, wo man es vermuten würde“ schmunzelt er. Rainhard Fendrich hat die alte Lockerheit wieder gefunden. Obwohl sein neues Opus Gesellschaftskritisches enthält, gibt es ein paar Lieder, die Groove und Schmäh auf perfekte Art verbinden.
„Schön Shoppen“ ist so ein Song. Er schildert das heikle Abwägen einer Märchenfee, ihr Dilemma sich zwischen Adonis und Krokodil entscheiden zu müssen. Fixlaudon! Werden die armen Herren selbst in Zeiten der Gleichberechtigung instrumentalisiert? Sexuell und/oder materiell ausgenützt? „Das werden sie doch seit Jahrhunderten“, gibt Fendrich zu bedenken. Raffiniert lässt er offen, ob er mehr Erfahrungen als Reptil oder Adonis gesammelt hat. Egal.

Als erfolgreicher Musiker weiß er, dass auf dem Gebiet der Kunst die Kreditkarte nicht viel hilft. Musen kann man auf keine Shoppingtour einladen. Musen sind kapriziös. Deshalb nahm sich Fendrich für „Besser wird's nicht“ eineinhalb Jahre Zeit. Seinen tiefen Fall im Jahr 2007, als herauskam, dass er zur Leistungssteigerung nicht nur große Schwarze trinkt, hat er in vielen kleinen Schritten überwunden. „Meine Psyche wieder zu stabilisieren war nicht leicht“, bekennt er.
Hilfestellung bekam er auch von unerwarteter Seite. Auf der Autobahnstation Kalwang etwa entdeckte er ein gehäkeltes Zierdeckerl an der Wand, das eine Botschaft für ihn bereithielt. „Musik kann das ausdrücken, wozu Worte allein nicht fähig sind, was aber auf keinen Fall verschwiegen werden darf“ stand da in Zierschrift zu lesen. „Das ist mir so eingefahren, dass ich das neue Album gleich selbst produziert habe. Ich wollte es so bunt gestalten wie ein Überraschungsei.“ Der einstige Austropop-Überflieger geriert sich darauf als Kritiker von Zeitgeist und Spätkapitalismus. Er geißelt den „Club der Milliardäre“, er zweifelt am konventionellen Begriff von Freiheit und entwickelt endlich wieder jene Süffisanz, die Lieder wie „Es lebe der Sport“ zu Klassikern machte. „Wie Gott im Werbespot“ ist ein weiteres Lied mit Hitpotenzial. Transportiert von einem heiteren Karibikrhythmus geißelt es die Heile-Welt-Konstruktionen der Werbung. „Da haben sich alle lieb, leben in lichtdurchfluteten Häusern, wo selbst das, was aus dem Mikrowellenherd herauskommt, wohlschmeckend ist. So glücklich wie die möchte ich auch einmal sein.“
Fendrich erinnert sich an gar nicht so lang zurückliegende Zeiten zurück, wo Fernsehwerbung noch Promotion brauchte. „Damals engagierte der ORF den Otto Schenk für das sogenannte ,Kurzfilmmosaik‘, kurze Sketches, die die Werbespots interessant machen sollten.“ Das hat sich gründlich geändert. Heute diktiert die Werbung in vielen Medien das Programm. „Heute haben wir ein bisserl ein Mitläuferradio ganz nach dem Motto ,Wir machen keine Hits, wir spielen sie.‘“ Und im TV ist Werbung oft aufwendiger produziert als die Spielfilme. In „Doku Soap“ wettert er in feinen Reimen gegen die Narkotisierung via TV. „Wir lieben es und fressen gerne, das Zuckerbrot für Bildungsferne“ formuliert er da.

Gern denkt er indes an seine Zeit bei „Herzblatt“ zurück, das er 1993 von Rudi Carrell, der laut Fendrich im wirklichen Leben gar keinen holländischen Dialekt hatte, übernahm. „Es war eine wunderschöne Zeit. Nach der ersten Sendung wäre ich am liebsten davongelaufen. Ich hab ja Blut und Wasser geschwitzt vor jeder Sendung. Erst als der Schmäh gelaufen ist, ging es mit mir bergauf.“ Heute weicht er den Fallstricken des Showbiz großräumig aus. Die Zeit der Homestorys ist vorbei. Rote Teppiche betritt er nur mehr, wenn er muss. Dieser Tage will er nur mehr für die Musik und seine Fans da sein. Ganz so wie die großen Vorbilder, deren Platten er einst aus der Musiktruhe seiner Tante gestöbert hat. Peter Alexander, Hildegard Knef, vor allem aber Caterina Valente.
„Wenn ich eine Frau wäre, würde ich so klingen wie sie . . .“

Quelle: 05.05-2013 - Samir H. Köck (diepresse.com)
Foto: Dominik Beckmann/sonymusic