CD - Präsentation - 3 Stunden Konzerterlebnis

Wenn nach drei Stunden Konzerterlebnis die Premierengäste bei der CD-Präsentation „Besser wird’s nicht“ von Rainhard Fendrich nicht nur mehrere Zugaben erklatschen, sondern den Künstler und seine Band nochmals aus der Garderobe rausholen, dann spricht es für das Gesamtwerk des österreichischen Ausnahmemusikers.

Einzigartig, wenn man weiß, dass ein Premierenpublikum nicht unterschiedlicher sein kann. Jahrzehntelange Fans genauso dabei wie Super-VIPs oder Medienvertreter. Standing Ovations für einen Künstler, der in St. Wolfgang mit seiner herausragenden Band seine ganze Klarheit zum Besten gab.
 
Es war kein Comeback von Rainhard Fendrich, denn er war nie weg. Viele Konzerte im Duo, mit Band, bei großen Festivals als auch auf kleineren Kulturbühnen. Mit „Besser wird’s nicht“, nach drei Jahren Albumpause, demonstrierte er seine ganze Bandbreite, seine musikalische Vielfalt genauso wie seine wortgewandten Ecken, Kanten und Tiefsinnigkeiten. Wer Fendrich unterstellt, dass er seinen Wortwitz, seinen Humor oder seine ironischen Weisheiten verloren hat, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Fendrich schlüpfte nicht von einer Rolle in die andere, sondern war ganz einfach er selbst mit seiner allumfassenden Bandbreite.
 
Er spiegelte am Ufer des Wolfgangsees die funkelnden Augenblicke seines Schaffens wider, segelte quer durch die Zeiten, tauchte mit den Texten in die Tiefen des Seins und holte lustvoll gleich von Anfang an das  Publikum ins Boot.
Rainhard Fendrich bewies, dass er kein musikalischer Mitschwimmer ist und sich vom Kommerzwind treiben lässt. Alles aus einer Hand. Alles made by Fendrich, Text, Arrangements und Moderation. Er eckt an, rüttelt unbequem auf, sticht pointenscharf und berührt herzhaft. Die Persönlichkeit des Künstlers ist gereift, und jeder spürt, dass er nicht nur Beobachtungen zum Besten gibt, sondern auch viel Erlebtes und so manch Durchgelittenes.
 
Fendrich ist noch lange nicht am Ende auf seinem Weg, denn er hat noch viele Ziele, und das Publikum liebt ihn an diesem Abend, so wie er ist. Ganz einfach ohne Glimmer und Gel steht er da, tief im Herzen seine Sehnsucht, ein Meister seines Genres und damit einer der Großen im deutschsprachigen Raum. Man geht mit, schmunzelt, schweigt, denkt nach, lacht, staunt oder wischt über feuchte Augen. Ein Programm, aneinander gefügt mit vielen neuen Nummern, neuen Interpretationen, aber auch mit bekannten Hits. An diesem Abend stechen die neuen Nummern sogar die alten aus, und das ist die besondere ungekünstelte Kunst des Ausnahmekünstlers.
 
Während des Konzerts stellt sich immer wieder die Frage „Wer hat heute noch etwas zu sagen?“ Die Politik?! Oder ist nicht jeder Einzelne aufgefordert, in seinem eigenen kleinen familiären Staat anzufangen.
„Besser wird’s nicht“, ein Pendeln zwischen Unmut und Demut, zwischen Aggression und Vision, zwischen Schein und Sein, zwischen Oberflächlichkeit und Tiefsinnigkeit.
Rainhard Fendrich ist besser denn je und er lädt sein Publikum ein, sich auf die eigene Reise zu machen.
„No is es Zeit, dass man si wehrt und afach aufsteht.“

Quelle: NÖN/ML
Foto: Dominik Beckmann/sonymusic